Colonia Tovar

Kaiserstühler wanderten im 19. Jahrhundert nach Venezuela aus

Von Klaus Rißler

Der venezolanische Oberst Codazzi wurde 1841 von seiner Regierung beauftragt, im deutschen Südwesten um Kolonialsten zur Urbarmachung unwegsamer Gebiete in seiner Heimat zu werben. Im Jahre 1842 wurden dann die entsprechenden Verträge für ca. 400 Kaiserstühler, vorwiegend aus Endingen, Oberbergen und Wyhl stammend, zwischen ihm und dem Endinger Alexander Benitz, unterzeichnet. Kurz vor ihrem Abschied, der sie ihre Heimat nie mehr sehen ließ, fand in der Endinger St. Martinskirche noch ein Abschlussgottesdienst statt.

Im Jahr 1843 kamen sie in ihrer neuen Heimat an und fanden dort in 1800m Höhe ein geradezu trostloses, von Urwald überwuchertes Pflaster vor, das so gar nicht den ihnen zuvor getätigten Versprechungen genügte. Aber sie packten alle an und es gelang ihnen, innert weniger Jahre ihren neuen Besitz in einen blühenden Garten zu verwandeln. Als Erinnerung an ihre geliebte alte Heimat errichteten sie, wie sie es von dort aus gewöhnt waren, Fachwerkhäuser und sogar eine Nachbildung des Endinger „Törli“.

Zweifelsohne waren es auch “Flüchtlinge”, allerdings sehnlichst erwünschte, denn allesamt waren sie gut ausgebildet und äußerst fleißig, ein Attribut, dass man wohl von den wenigsten der heute sich bei uns eingenisteten und sich weiterhin noch einnistenden sogenannten „Flüchtlingen“ behaupten kann. Natürlich bedurfte es schon seine Zeit, bis sich ein bescheidener Wohlstand einstellen konnte. Heute jedoch ist die Colonia Tovar ein attraktives Ziel für Besucher aus nah und fern, auch von denjenigen aus der unweit davon entfernt liegenden Hauptstadt Caracas, die sich gerne mit Spezialitäten aus dem Kaiserstuhl, darunter auch nach deutschem Rezept gebrautes Bier, verwöhnen lassen wollen. Gegenwärtig gehört die Colonia Tovar zu den prosperierendsten Siedlungen in Venezuela mit einem den Landesdurchschnitt weit hinter sich lassenden BSP.

Die Kontakte rissen mit der Auswanderung für mehr als 100 Jahre vollständig ab, bis vor etwas mehr als 50 Jahren ein Besucher rein zufällig auf diese sonderbare Siedlung mit ihrer altertümlichen alemannischen Sprache aufmerksam wurde. Kurz danach entwickelte sich eine bis heute anhaltende intensive Beziehung zwischen der Colonia Tovar und Endingen mit zahlreichen Freundschaften auf beiden Seiten. Endinger besuchten die Colonia Tovar und umgekehrt die Tovarer ihre alte Heimat.

Heute Leiden unter katastrophaler Wirtschaftspolitik
Leider leiden gegenwärtig auch die Tovarer unter der katastrophalen Wirtschaftspolitik und einer galoppierenden Inflation unter Präsident Maduro, die sogar zu Besetzung der Colonia durch venezolanisches Militär führte.

Wenn sich dann in Anbetracht dieser misslichen und wenig ermutigenden Lage in diesem Staat einige davon aufmachen, die Heimat ihrer Vorfahren zu besuchen, deren Dialekt sie immer noch beherrschen, benötigen sie ein Visum und müssen, um der zwangsweisen Abschiebung zu entgehen, das Land nach Ende des Gültigkeitsdatums verlassen. Dies nur als Vorabinformation, weil ich im Frühjahr in der Badischen Zeitung gelesen habe, dass ein Bäcker, der aufgrund der Krise seit Monaten kein Mehl mehr erhält und somit seinem Metier nicht nachgehen konnte, sich nach Endingen aufgemacht hat und dort sofort eine Stelle als Bäcker erhielt.

Beim Besuch in der alten Heimat droht Abschiebung!
Im Interview sagte er allerdings, dass sein Visum in wenigen Tagen ablaufen würde und er zurückkehren müsse, da er sonst zwangsweise abgeschoben würde. In derselben Ausgabe las ich, dass zwei 15-jährige Afghanen einen Supermarkt in Freiburg überfallen haben und, da ja offenbar als „kulturelle Bereicherung“ erwünscht, als Belohnung dafür keine Abschiebung zu befürchten haben. Dazu kann ich nur sagen, dass wir schon lange nicht mehr in einem Rechtsstaat, sondern weit eher in einem kollektiven Irrenhaus leben, und dass sich dieser Eindruck nach der Posse um den Leibwächter des Massenmörders Bin Laden nur noch weiter verstärkt hat. In welchem Staat leben wir, wenn Menschen, die mit uns eine 2000 Jahre alte christlich-abendländische Kultur teilen, um ein Visum betteln müssen, nur um die Heimat ihrer vor knapp 180 Jahren ausgewanderten Vorfahren besuchen zu wollen und dann, wenn es um wenige Tage überschritten wird, sogar mit der zwangsweisen Abschiebung rechnen müssen. Selbst wenn der eine oder andere von ihnen sich entscheiden würde, für immer in der Heimat seiner Ahnen leben zu wollen und er die Erlaubnis dazu auch bekäme, stünde ihm mit Sicherheit das Prädikat „echte“ kulturelle Bereicherung zu.

Hyperinflation verhindert  Besuch von Jokili zu Jokili
Im vergangenen Jahr wollte eine Gruppe von Tovarer Jokili zum traditionellen „Fasnetmendingsumzug“ nach Endingen kommen (auch dort wird bereits seit Jahrzehnten die aus der alten Heimat kommende, jahrhundertealte Tradition gepflegt), konnte sich die Flugtickets jedoch aufgrund der Hyperinflation nicht mehr leisten und war somit gezwungen, auf den Besuch in der Heimat ihrer Vorfahren zu verzichten. Diesen Menschen gehört mein Mitgefühl, keineswegs denjenigen, die auf Einladung einer stetig den Amtseid brechenden Kanzlerin mit nachweislich kommunistischer Vita Millionen an aus vormodernen und rückständigen Kulturen stammende Illegale ohne Papiere ins Land gelassen hat. Darunter befinden sich auch Abertausende krimineller Elemente, die in ihren Heimatländern sogar steckbrieflich gesucht werden, allerdings mit tatkräftiger Unterstützung links-grüner Kreise geradezu euphorisch als künftige „Rentenzahler und Fachkräfte“ willkommen geheißen wurden, anstatt sie umgehend zurückzuweisen.

Wie sagte dazu doch die grüne Studienabbrecherin Göring-Eckhardt: „Uns werden Menschen geschenkt“. Für die in die Colonia Tovar eingewanderten Kaiserstühler gilt dieser Satz ohne Einschränkung. Ob er auch für die uns „geschenkten“ Menschen gilt, möge der mündige Bürger selbst entscheiden.

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