Fußball wird mit Bier erst schön?

„Keine Macht den Drogen“?  – Landesbrauerei sponsert südbadischen Fußball

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Der Siegr steht schon.

(tutut)„Keine Macht den Drogen“ war eine Anti-Drogen-Initiative der Bundesregierung in den 1990er Jahren. Heute wird die Idee unter demselben Slogan vom Verein „Keine Macht den Drogen gemeinnütziger Förderverein e. V.“ mit Sitz in München weitergeführt. Die Werbung war häufig bei Sportveranstaltungen und damit auch bei TV-Übertragungen als Bandenwerbung zu sehen. Nicht aber beim Finale um den südbadischen Fußballpokal. Die Banden am Spielfeldrand im Dammenmühle-Stadion in Lahr, an dem jetzt groß „Volksbank-Lahr-Stadion“ steht, warben fast ausschließlich für Rothaus, das ist die landeseigene Brauerei im Schwarzwald. Da Bier Alkohol enthält und Alkohol eine Droge ist, wirbt  die grün-schwarze Landesregierung gleich zweimal mit dem Geld des Steuerzahlers gegen den Steuerzahler. Denn auf der einen Seite  wird dessen Geld verwendet, um Alkoholreklame zu machen,  andererseits kosten Suchtberatung und Therapien und Krankheiten als Folge des Alkoholkonsums ebenfalls das Geld des Steuerzahlers.

Die Alkoholreklame auf dem Fußballplatz in Lahr war so ungeniert und  penetrant, dass die Siegerehrung sogar zwischen extra aufgestellten überdimensionalen Bierflaschen stattfand. Neben Bier durfte auch noch ein anderer Banden für Werbung belegen: WeberHaus. Das ist der Sponsor  des SV Linx, der gegen den FC08 Villingen das Endspiel gwann.  Damit war Neutraltät ebenso mit Füßen getreten wie beim Austragungsort im Landkreis des Endspielteilnehmers aus dem 1100-Einwohner-Dorf mit einem Kindergarten und zwei Bushaltestellen.

Und was ist von „Keine Macht den Drogen“ geblieben? Wikipeda: „Um das im Slogan definierte Ziel zu erreichen, setzt der Verein auf ganzheitliche Suchtprävention durch eine aktive und drogenfreie Freizeitgestaltung sowie eine Stärkung der Persönlichkeit und des Selbstwertgefühls von Kindern und Jugendlichen. Die Kampagne wurde am 24. April 1990 von Karl-Heinz Rummenigge mit Hilfe der Bundesregierung aufgebaut. Am 26. März 1994 startete die US-amerikanische Schwester-Kampagne No Power to Drugs. Eine Münchener Werbeagentur gestaltete die Plakate, Werbespots und Produkte. Der Slogan und das Logo sind seit 2005 als Wort-Bildmarke markenrechtlich geschützt. Die letzten ‚offiziellen‘ Gelder bekam die Kampagne kurz nach dem Rot-Grünen Regierungswechsel von Innenminister Otto Schily, seitdem wird die Aktion nicht mehr staatlich unterstützt. Am 15. April 1997 wurde die Geschäftsstelle des gemeinnützigen Fördervereins eröffnet. Der Verein finanziert seine Präventionsprojekte hauptsächlich durch Spenden und gerichtliche Geldauflagen durch Gerichte.

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Ziele des Vereins: Gemäß Satzung] zielt die Arbeit des Vereins auf eine breitenwirksame Einflussnahme im Hinblick auf ein ‚gegen Drogenkonsum gerichtetes Bewusstsein‘ und beinhaltet als Zweck vor allem die Aufklärung über Gefahren und vorbeugende Maßnahmen. Gem. § 2 Abs. 2 der Satzung geht der Verein davon aus, dass es diesbezüglich ‚gefährdete Bevölkerungsschichten‘ gebe, denen der Verein explizit ‚drogenfreie‘ Lebenswerte vermitteln will. Der Verein differenziert diesbezüglich nicht zwischen legalen Drogen (z. B. Alkohol, Nikotin) und illegalen Drogen.

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Der Verein bietet erlebnispädagogische Suchtpräventionsprojekte für Kinder und Jugendliche an. Dabei handelt es sich zum Beispiel um kostenlose Zeltlager, Klassenfahrten, Theater- und Schulprojekte, die Teilnehmer spielerisch an das Thema Sucht heranführen. Neben substanzgebundenen Suchtformen wie Alkohol, Nikotin und Cannabis werden im Rahmen von interaktiven Workshops auch substanzungebundene Abhängigkeiten wie Essstörungen und Mediensucht thematisiert. Außerdem werden jugendliche Peerleader ausgebildet, die Veranstaltungen von ‚Keine Macht den Drogen‘ mit unterstützen und als positive Vorbilder in ihren eigenen Schulen und Vereinen fungieren. Die Präventionsprojekte richten sich vor allem an Kinder und Jugendliche, die noch keinen intensiven Kontakt mit legalen oder illegalen Rauschmitteln hatten. Drogenberatung oder -therapie werden nicht angeboten. Zudem führt der Verein Multiplikatorenschulungen für Lehrer und Sozialpädagogen durch. Neben Fachwissen erlernen die Teilnehmer Methoden zur Durchführung lebensnaher Suchtprävention bei Jugendlichen…..Wie das Institut für Therapieforschung (IFT) in München ermittelte, war die Kampagne zwar bei 78 Prozent der Befragten im Alter zwischen 18 und 69 bekannt – hatte aber für den Einzelnen und seinen Umgang mit Drogen kaum Bedeutung. Mehr als die Hälfte der befragten Personen glaubten zudem, die Kampagne richte sich an bereits Drogenabhängige, obwohl die Kampagne für Jugendliche ab zwölf Jahren konzipiert worden war, die noch keine Drogen konsumierten. Die Kampagne verfehlt also nicht nur die anvisierte Zielgruppe – sie erfüllt zudem auch nicht den erwünschten präventiven Effekt. Allerdings betrifft diese Studie die Kampagne der damaligen Bundesregierung, nicht jedoch die Arbeit des Fördervereins. Ehemalige prominente Botschafter der Kampagne in den 1990er Jahren waren: Mola Adebisi, Franziska van Almsick, Franz Beckenbauer, Oliver Bierhoff, Magdalena Brzeska, Sandra Farmand, Birgit Fischer, Steffi Graf, Jürgen Klinsmann, Andreas Köpke, Lothar Matthäus, Sabine Meyer, Rosi Mittermaier, Nico Motchebon, Christian Neureuther, Karl-Heinz Rummenigge, Martin Schmitt, Michael Schumacher, Nils Schumann, Katja Seizinger, Rudi Völler, Berti Vogts, Jens Weißflog“.(Wkipedia).

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In Lahr wurden Kinder und Jugendliche, sei es als Bgleitservice für beide Fußballmannschaften oder als Balljungen, gleich direkt ans Bier herangeführt, also an die Droge. Was haben sich das Land Baden-Württemberg und der Südbadische Fußballverband dabei gedacht?. Gleichzeitig mussten Jugendliche in all der Bierüberschäumung ein Transparent mit „Danke ans Ehrenamt“ entfalten. Was für ein Bierfest in Lahr! Zu wessem Wohl?

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