Der Staat duckt sich fort

Der verdrängte Mief der Armut und unsere political correctness

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Von Michael Dunkel *)

Die Zeiten sind vorbei, als wir noch ein Proletariat und Arbeiter hatten.

Menschen, die mit Stolz auf ihren Stand und mit ausreichendem Geld, ihr Leben gestalten konnten.

Menschen, die neben Akademikern, Angestellten und Handwerkern einen guten Platz in unserer Gesellschaft erhielten.

Menschen, die würdevoll von ihrer Arbeit lebten.

In unserer aktuellen Zeit werden „geschönte“ Umschreibungen gesucht und gefunden, welche die Tatsachen einfach wegblenden und heute die gleichen Menschen aus der Gemeinschaft schubsen.Menschen, die nicht mehr in die Schicki-Gesellschaft zu passen scheinen. Die man als unbequem, lästig ansieht. Die den schönen Schein der Bussi-Gesellschaft stören.

Die dazu erfundene political correctness, hauptsächlich von denen, die mit der Pfui-Welt draußen nicht konfrontiert werden möchte und das mit eben diesem Mäntelchen kaschiert.

Zerfallene Stadtteile werden sozial minderbemittelte Wohngebiete genannt, Slums und kriminelle Ghettos werden als soziale Brennpunkte geschönt, Armenspeisung wird mit „der Tafel“ sogar schick gemacht und das „Soziale Kaufhaus“ gerät schon fast in die Alternative zu Ikea.

Die Sozialhilfe, Zeichen von Not und Armut, wird zu Hartz IV und als soziale Maßnahme zur Wiedereingliederung stilisiert.

Viertel mit zum Teil kriminellem Migrationshintergrund sind „NO GO Areas“ und benötigen damit auch keine weiteren Kommentare.

Arme und verwahrloste Kinder werden, ähnlich den Wohnbereichen, als sozial minderbemittelte Jugendliche gestempelt und Menschen, die auf der Straße leben und die man landläufig als Penner bezeichnet, mutieren zu sozialen Verweigerern. Ist doch schick, nicht wahr?

So kann unsere durchaus nicht mehr solidarische Gesellschaft schnell weg blenden. Es wird sich ja schon jemand kümmern.

Alle unsere Parteien haben sich jahrelang nicht um diese Ausgestoßenen gekümmert.

Haben sie verwaltet, sie an den Rand und noch weiter fort geschubst. Sie haben sich keine Mühe gemacht, diese Menschen ab zu holen.

Dafür dürfen sich dann Prominente aller Art in Hilfsprogrammen sonnen und werden dafür beklatscht.

Nur unser Staat, der eine Verpflichtung gegenüber diesen Millionen Menschen hat, der duckt sich fort. Der kaschiert mit großen Worten den hervorragenden Stand Deutschlands.

Dieser Staat ist leider nur vordergründig bereit, sich diesen Menschen wirklich anzunehmen.

Der Staat, der mit der Wirtschaft gemeinsam ganze Landstriche zerstörte und Arbeitsplätze vernichtete. Der es möglich machte, dass ganze Gebiete ohne ärztliche Versorgung stehen.

Der Staat, der seine Bevölkerung so blendet, dass diese sich als sozial empfindet, wenn Menschen im Dreck liegen.

Wann wird sich unser Staat wieder zu dem entwicklen, was er sein sollte?

Ein Staat für Menschen jeder sozialen Klasse, denn die Würde des Menschen ist unantastbar.

Wo stand das gleich?

Da war doch noch was? Ach ja, alle Parteien sind sich zumindest darin einig: Bildung ist wichtig und Globalisierung.

Nachwort: Besonders traurig finde ich, dass es eher achselzuckend von unserer Gesellschaft hingenommen wird. Einfach ausgeblendet, weil es belastend sein könnte. Besonders Deutsche scheinen das mit Bravour zu beherrschen. Ende des Jahres schön Betroffenheit zeigen, die übrige Zeit ignorieren und damit abtun, es gibt ja so viel Schlimmeres in der Welt.

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*) Michael Dunkel ist ein rheinischer, polyglotter Liberalkonservativer sowie ständiger Teilnehmer des politischen Stammtisches von Peter Helmes u.a.

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