Kult um Ruinen

Muss jeder Steinhaufen aus Volksunterdrückerzeiten erhalten werden?

kallenbergzeichnung

Burg Kallenberg, aus „Rekonstruktionszeichnungen von Burgen Baden-Württembergs“
von Wolfgang Braun. Heute steht noch ein 20 Meter Rest des Bergfrieds. 

(tutut) – Die Geschichte dahinter ist alles andere als romantisch. Auch wenn Erwachsene heute gerne Ritterles spielen und Zeiten verklären, die durchaus auch sehr finster waren, so blüht noch immer ein Kult um Ruinen. Gerade ist im Kreis Tuttlingen wieder der Steinhaufen namens Ruine Kallenberg dran. Für 326 500 Euro sollen auf Steuerzahlerkosten  die Überreste einer Burg „saniert“ werden, wobei sich nebenbei die Frage, stellt was eine Ruinensanierung sein soll.

Kallenberg auf Buchheimer Gemarkung zwischen Fridingen und Beuron war seit dem 13. Jahrhundert ein Herrschaftssitz wie alle Burgen, also erdacht, um Bevölkerung und Konkurrenten in Schach zu halten und zur Kasse zu zwingen, auch im Auftrag eines mächtigeren Unterdrückers, in diesem Fall der Hohenberger. Auch diese Burg wurde wie .viele Herrensitze zum Wanderpreis, denn die meist klammen Burgherren waren oft gezwungen, ihren Besitz zu verpfänden. Irgendwann nagte an der Kallenburg nur noch die Zeit, das Gemäuer zerfiel ab dem 19.Jahrhundert.  Im 20.Jahrundert wurde dann begonnen, Rettungsschirme aufzuspannen. Ende offen. Dem Kreis gehört dieses Spielzeug aus dem Mittelalter seit 1974. Warum es weiter zu erhalten? Eine besondere Sehenswürdigkeit ist es nicht.

Da es auch im Südwesten Deutschlands nicht an solchen Erinnerungsmälern feudaler Herrschaft feht, der Kreis Tuttlingen macht keine Ausnahme, wäre es angebracht, Prioritäten zu setzen. Nicht jede Ruine ist erhaltenswert. Allein schon der historischen Bedeutung und des baulichen Zustands wegen. Deshalb  sollten die Steuerzahler bzw. ihre politischen Vertreter sich Gedanken machen, was mit den Steinhaufen der Vergangenheit zu geschehen hat. Nur weil mittelalterliche Reste noch herumstehen und -liegen, ist dies kein Grund, sie nach ihrem Tod weiter zu pflegen. Auswahl statt Wahllosigkeit ist angesagt. Denn es handelt sich bei ihnen um Fässer ohne Boden.  Oft gibt es sogar noch private Besitzer solcher geschichtlichen Erbstücke. Denen dann mit Geld des Steuerzahlers beizuspringen, ist der falsche Weg.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.