Niemand irrt für sich allein

Wenn die Menschen im Schafsgalopp dem Herdentrieb folgen

schafeblauweiß

(tutut) – Es verwundert immer wieder aufs Neue, wie grenzenlos menschliche Dummheit ist. Unbesiegbar. Eine Kanzlerin erklärt ihre seltsame Welt, und niemand von den Journalisten verlässt nach fünf Minuten schreiend den Saal und alarmiert die Rettung. Dabei hätten Regierungschefin und Land dringend Hilfe nötig. Nein, das Abnormale ist in diesem Land das Normale geworden. Die fasnächtliche verkehrte Welt, Folklore im Jahresbrauch, liegt wie ein Leichentuch ber Deutschand.Die Regierung erklärt die Formalitäten eines Staatsbegräbnisses, und alle schreiben eifrig mit. Damit ja niemand verpasse, Deutschland rechtzeitig Blumen ins Loch hinterherzuwerfen. Ein Phänomen, welches schon Seneca vor 2000 Jahren beobachtet hat.

Deshalb haben wir, so schreibt er, auf nichts mehr zu achten, als dass wir nicht im Schafsgalopp dem Herdentrieb folgen. Immer den Vorausgehenden im Trott folgend. Dabei sei nichts übler, als sich nach dem Gerede der Leute zu richten. Eine meint, die anderen schaffen das, was sie ihnen zumutet. Und prompt glauben die es. Was alle in Doofheit tun, muss das Beste sein, so dass wir nicht nach Vernunftgründen, sondern nach Beispielen lebten. Seneca: „Daher jene gewaltige Zusammenhäufung von Leuten, die einer über den andern hinfallen“.

Vor dem Hinfall war allerdings der Einfall einer Kanzlerin und der Einfall ihrer gerufenen ins gelobte Land unserer Väter. „Niemand irrt nur für sich allein, sondern er ist auch Grund und Urheber fremden Irrtums“. Ja,so hätte es die Kanzlerin gerne. Es irrt das Volk, solange es verführt, denn, so Seneca, es ist schädlich, sich den Vorangehenden anzuschließen. Und während jeder lieber glauben, als nachdenken will, so wird über das Leben nie nachgedacht.Immer glaubt man nur anderen, und ein von Hand zu Hand fortgepflanzter Irrtum lenkt uns und stürzt uns ins Verderben. Durch fremde Beispiele gehen wir zugrunde“. Die Merkels scheint es schon immer gegeben zu haben.

Der Kanzlerin ihr Neun-Punkte-Programm gegen sich selbst hat schon der Stoier einen Punkt entgegengesetzt: „Wir werden geheilt werden, sobald wir uns nur vom großen Haufen absondern. So aber steht der Volkshaufe, der Verteidiger seines eigenen Verderbens, der Vernunft feindlich gegenüber. Und so geht es denn wie in den Wahlversammlungen, wo sich dieselben Leute darüber verwundern, dass eine Kanzlerin geworden ist, weil sie selbst sie hierzu gemacht haben, wenn sich Volksgunst gedreht hat und nun tadelt, was sie vorher gebilligt hat“. Und schon galoppieren die Schafe in eine andere Richtung. Es irrt eine Kanzlerin, solange alle hinter ihr her irren.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.