Zwischen ALFA und Omega

„Die Ortsredakteurin und der Bürgermeister“ – kein Spaichinger running Gag

schwäbischmedia

(tutut) – Die Dauersendung „Hannes und der Bürgermeister“ läuft im SWR. „Die Ortsredakteurin und der Bürgermeister“ in Spaichingen. Das eine ist manchmal lustig und sogar witzig. Das andere ist weder das eine noch das andere, sondern nur ärgerlich und peinlich. Kein running Gag. Nicht  für den Berufsstand der Journalisten und für Leser, die hierfür Geld bezahlen, und zwar nicht wie beim Staatssender per Zwangsabgabe.

Während die „Ortsredakteurin“, so bezeichnet der Spaichinger Bürgermeister meist die Spaichinger Redaktionsleiteirn des Lokalblatts, Regina Braungart, . meist in den Wald hinein auf der Jagd nach dem Bürgermeister ruft, ohne dass dieser ihr antwortet, allenfalls im Amtsblatt, weshalb dieses jetzt in konzertierter gemeinsamer Aktion mit CDU und Grünen abgeschafft werden soll, hat diese bei ihrer jüngsten Suche nach ALFA wieder einmal ihr Omega erreicht. Sie und ihr Verlag scheinen es aber nicht zu merken.

Offenbar machte sie jetzt nicht einmal vor Privatem Halt. Gehört der Spaichinger Bürgermeister der Partei ALFA an? wollte sie wissen. Sie bemühte hierzu den Verantwortlichen der Partei im Kreis Tuttlingen wie eine Klatschkolumnistin, nur nicht so gekonnt. In Spaichingen gehe das Gerücht um, Bürgermeister Schuhmacher sei der Partei  ALFA beigetreten. Sie wolle von ihm wissen, ob dieses Gerücht stimme. Wenn’s ein Gerücht ist, wird es sicher schon stimmen, soviel müsste sie doch eigentlich wissen aus ihrem Umgang mit Gerüchten. Eine entscheidendere Frage ist allerdings, ob es mehr als ein Gerücht ist. Und da gibt der Bürgermeister im jüngsten Stadtspiegel die Antwort: „Ich bin kein Mitglied der Partei ALFA. Sofern ich mich in Zukunft erneut parteipolitisch engagieren möchte, werde ich die Bürgerschaft hierüber informieren“. Klar müsste allerings sein, dass das Privatleben eines Bürgermeisters niemand weiter etwas angeht. Auch eine kleine Lokalredakteurin nicht. Vielleicht bringt ihr im Verlag mal jemand bei, wo für sie Omega ist?

Dass sie da in einer seltsam ausufernd wirkenden Hatz auf den Spaichinger Bürgermeister kein Omega kennt, vermutlich hält sie das für investigativen Journalismus, zeigte sie auch in einem anderen Fall, welcher den Bürgermeister ebenfalls im Amtsblatt auf den Plan rief, denn die Zeiten scheinen in Spaichingen vorbei, wo sich Zeitungen an gewisse Richtlinien hielten, welche Landespresserecht, Pressekodex und vor allem auch interne Richtlinien vorgeben bzw. vorgaben. Man denke nur an willkürlichen und eigentümlichen Umgang mit Pressemitteilungen oder Leserzuschriften, es sei denn, diese kommen aus ganz bestimmter Richtung. So kann das ja nur als Vergaloppieren bezeichnet werden, was Regina Braungart aus einer Jahrespressekonferent der Rottweiler Staatsanwaltschaft gemacht hat.

Sie kriegte es doch fertig, ein eventuell anstehendes läppisches Verfahren gegen den Bürgermeister am Landgericht wegen Zitierens aus Ermittlungsakten in den Mittelpunkt ihres Interesses zu stellen. Das ist nämlich übriggeblieben von an die 70 Anzeigen und über 2000 Aktenseiten. Kommt’s zu einer Verhandlung, dann können auch mal all jene öffentlich werden, die sich bemüßigt sahen, den Bürgermeister mit Anzeigen einzudecken, nachdem es der CDU nicht gelungen war, durch ihren Kreisvorsitzenden den CDU-Bürgermeister aus dem Rathaus zu drängen. Ist das Schweigen von Kauder und Wolf zu diesem Fall der CDU, der auch ihrer ist, nicht vielsagend?

Bürgermeister Schuhmacher hierzu im Stadtspiegel: „Dass es sich hierbei allerdings allenfalls um ein strafrechtlich zu wertendes ‚Kavaliersdelikt‘ handeln dürfte, lässt die Berichterstatterin bewusst offen, weil sie mit ihrer Berichterstattung wieder einmal neu belegt, dass sie alles daran setzt, Bürgermeister Schuhmacher in ein schlechtes Licht zu rücken. Sogar dem unaufmerksam Lesenden muss bei dieser Berichterstattung aufgefallen sein, dass es der Ortsredakteurin nicht darum geht, über die im Staatsanwaltsbezirk laufenden Strafverfahren zu berichten, denn vielmehr sehr tendenziös gegen mich zu agitieren. Ich muss mich von Woche zu Woche wundern, wie lange der Verlag einem solchen Treiben zusieht, ohne dass er dieser Ortsredakteurin nur irgendwie Einhalt gebietet. Diese Berichterstattung ist für mich Beleg dafür, dass der Stadtspiegel fortbestehen muss, weil dann zumindest wöchentlich die gefärbten Informationen in Teilen richtiggestellt werden können. Dass der Leiter der Staatsanwaltschaft Rottweil in der Sache umfangreich informiert hat, lässt für mich erneut erkennen, dass das Verhalten der Staatsanwaltschaft wie zu Beginn des Verfahrens ohne die gebotene Zurückhaltung im Interesse des Schutzes einer in der Öffentlichkeit stehenden Person an den Tag gelegt wird. Dass die Staatsanwalt selbst einräumen muss, dass sie sogar die von ihr eingereichte Anklage korrigieren musste, lässt Rückschlüsse darauf zu, mit welcher Gewissenhaftigkeit die Staatsanwaltschaft in dieser Sache bisher gearbeitet hat und arbeitet“.

Normalerweise sind diese Stellungnahmen eines Bürgermeisters  keine Texte für ein Amtsblatt. Aber wo eine Lokalzeitung wirkt wie das Kampforgan einer Privatperson und ihres persönlichen Umfeldes, wie ein Pamphlet, bleiben Information und Kommentierung auf der Strecke. So schafft sich Presse ab. Mag sein, dass es sich im Fall von Regina Braungart um eine Ausnahme handelt.  Mag aber auch sein, dass  diese Art Zeitung Strategie ist. Dann läuft etwas falsch im Pressewesen. Dann hat es sich von seiner ureigenen Aufgabe verabschiedet und ist bei Omega gelandet.

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