Schwäbische umgarnt Vereine

Ein unmoralisches Angebot wegen des Spaichinger „Stadtspiegels“?

heubergerschaufenster

(tutut) – Kündigt Regina Braungart das Ende der Zeitung an? Wenigstens für Spaichingen?  Erfüllt die Schwäbische Zeitung endlich des Lesers und des Vereinsfunktionärs Traum? Eine Zeitung hunderprozentig nach deren Wunsch und Geschmack?  Was oben hineingeworfen wird, kommt unten unberührt wieder heraus: als Lokalzeitung. Keine Redaktion stört mehr  dazwischen das fertige Produkt, d.h., sie ist auch auch gar nicht mehr daran beteiligt. Mit dem Ende der nun überflüssigen Redaktionen, auf Journalismus wird in Deutschland sowieso schon weitgehend verzichtet, werden die Computer die neue vierte Macht in Deutschland. Was beim Müll Sortiersysteme zur Entsorgung erledigen,  das müsste ebenso auch in den Verlagen funktionieren. So groß kann der Unterschied nicht sein, dass dies heutige Technik vor Probleme stellen würde. Ist nicht hufig schon zu hören, wenn von Zeitungen die Rede ist, sie würden  viel Müll enthalten? Als Altpaper landen sie ja sowieso in der Tonne.

Nachdem die Spaichinger Gemeinderatsmehrheit, so meist die Diktion von Regina Braungart, wenn sie den Anti-Bürgermeister-Block CDU-Grüne  umschreibt, auf der Bergsitzung die Abschaffung des Amtsblatts „Stadtspiegel“  mit dessen Kündigung zwischen Stadt und  Nussbaum Verlag beschlossen hat, schickte „Regina Braungart, Redaktionsleitung“  namens des Heuberger Boten mit Datum vom 24. Februar eine „Einladung zum Vereinsprojekt“ an  Spaichinger Vereine. Die „Gemeinderatsmehrheit“ hat gerade in jüngster Sitzung in der Stadthalle ihr Nein zum Amtsblatt bekräft. Momentan läuft von der SPD initiiert eine Initiatve für einen Bürgerentscheid zum Erhalt des Informationsblattes.

Wer profitiert in erster Linie von dessen Abschaffung? Rein wirtschaftlich gesehen selbstverständlich die Lokalzeitung, also die Schwäbische Zeitung. Vielleicht sollte  Redaktionsleiterin Regina Braungart, der man wohl nicht zu nahe tritt, wenn man ihr besondere Sympathien gegenüber dieser besonderen „Gemeinderatsmehrheit“ unterstellt, also  gegenüber dem CDU-Grüne-Block, mit offenen Karten spielen und alle auf den Tisch legen. Auf der einen Seite übersieht sie, dass eine Abschaffung des Spaichinger „Stadtspiegels“  keineswegs  das Ende von  Amtsinformationen außerhalb des Lokablatts bedeuten muss, ob in einem Amtsblatt oder wie auch immer, auf jeden Fall aber keine erhofften Mehreinnahmen für die Monopolzeitung darstellt,   andererseits wirkt ihre „Einladung zum Vereinsprojekt“  wie ein unmoralisches Angebot.

Will die Schwäbische Zeitung wirklch das Ende der Zeitung einläuten mit Umgarnung der Vereine? Denn für das, womit versucht wird  Vereine in die  Zeitung zu locken, sind keine Journalisten, keine Redaktionen notwendig. Mag ja sein, dass in Zeiten schwindender Auflagen Verlage neue Wege zu gehen versuchen. Die Schwäbische Zeitung machte ja deutschlandweit Furore mit  Redakteuren als Zeitungsausträgern.

Nun also die mit „Regina Braungart, Redaktionsleitung“  unterzeichnete Idee: „Wer regelmäßig und zuverlässg Informationen über die Vereine in Spaichingen, in den Gemeinden des Primtals und auf dem Heuberg bekommt,  der weiß, was sich gesellschaftlich bewegt in unserer Region. Wir wissen um die Bedeutung der Vereine(,)! und wir wissen, dass der Großteil der Leser ganz gezielt nach ’seinem Verein‘ in seiner Zeitung sucht. Wir wollen den Vereinen mehr Platz einräumen, eigene und zusätzliche Zeitungsseiten, die regelmäßig erscheinen, und Ihre Vereine  ‚pur‘ präsentieren“.

Will Regina Braungart damit sagen, dass die Vereinsberichterstattung bisher vernachlässigt worden ist? Hat sie übersehen, dass in Zeiten des Internets viele Vereine sich selbst schon darstellen auf eigenen websites und deshalb auf die Gunst einer Monopolzeitung nicht angewesen sind, berücksichtigt oder nicht berücksichtigt zu werden? Die Papierzeitung ist längst ein aussterbendes Gewerbe. Daran ändert auch eine von  „Regina Braungart, Redaktionsleitung“  angekündigte Kapitulation nichts, welche einem Offenbarungseid  deutschen Journalismus gleichkommt: „Künftig gibt es im Heuberger Boten eigene Vereinsseiten, auf de(r)!  alle Ihre Berichte genau so erscheinen(,)!  wie Sie  sie einsenden. Sie können so erstmals ganz direkt mit der Öffentlichkeit kommunizieren. Das gab es bisher nie“.  Ob „Regina Braungart, Redaktionsleitung“ und allen, die mit der Öffentlichkeit kommunizieren wollen, vorher noch wenigstens ein Deutschkurs spendiert wird?

Ist es nicht eine kühne Behauptung, zu erklären, so etwas habe es „bisher nie“ gegeben? Hat es nicht schon immer Zeiten ohne und Zeiten mit  Zeitung gegeben? Jetzt scheint also wieder eine Zeit ohne Zeitung  anzubrechen, und der Heuberger Bote wird zur Wundertüte. Zur Givebox. Konnten Spaichinger Leser das nicht schon lange erahnen? . Nur eins muss „Regina Braungart, Redaktionsleitung“  den Geladenen noch erklären: Wie will der Verlag das Blatt zur Givebox der Vereine umfunktionieren, wenn er es schon heute nicht schafft, die Leser im Kreis Tuttlingen mit einer Ausgabe zu informieren, so dass in so einem kleinen Popelkreis  die drei Ausgaben von Spaichingen, Trossingen und Tuttingen hierfür notwendig sind? Vielleicht fragt dies ja jemand, der der Einladung von Regina Braungart folgt: „Wir möchten Ihnen dieses Projekt vorstellen, das wir mit Ihnen verwirklichen wollen. Daher lade ich Sie ein auf Donnerstag, 17. März, 19 Uhr, Fest- und Sporthalle Balgheim. Ich freue mich  auf Sie und einen lebendigen Austausch über unser Vereinsprojekt an diesem Abend. Herzliche Grüße,…“  Anmeldungen sind bis Donnerstag, 10. März, erbeten.

„Das gab es bisher nie“?  Stimmt! Im Landespressegesetz .wird u.a. darauf hingewiesen, „die Presse erfüllt eine öffentliche Aufgabe, wenn sie in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse  Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kritik übt oder auf andere Weise an der Meinungsbildung mitwirkt. Die Presse hat alle Nachrichten vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Wahrheit, Inhalt und Herkunft zu prüfen. Die Verpflichtung, Druckwerke von strafbarem Inhalt freizuhalten oder Druckwerke strafbaren Inhalts nicht zu verbreiten, bleibt unberührt“. Heißt dies, dass der Heuberger Boten in Zukunft keine Presse mehr ist, sondern nur noch ein Flugblatt der Vereine?  An einem Impressum kommt dieses geplante einmalige Werk trotzdem nicht vorbei, denn: „Auf jedem im Geltungsbereich dieses Gesetzes erscheinenden Druckwerk müssen Name oder Firma und Anschrift des Druckers und des Verlegers, beim Selbstverlag des Verfassers oder des Herausgebers, genannt sein.  Auf den periodischen Druckwerken sind ferner Name und Anschrift des verantwortlichen Redakteurs anzugeben. Sind mehrere Redakteure verantwortlich, so muß das Impressum die in Satz 1 geforderten Angaben für jeden von ihnen enthalten. Hierbei ist kenntlich zu machen. für welchen Teil oder sachlichen Bereich des Druckwerks jeder einzelne verantwortlich ist. Für den Anzeigenteil ist ein Verantwortlicher zu benennen; für diesen gelten die Vorschriften über den verantwortlichen Redakteur entsprechend.  Zeitungen und Anschlußzeitungen, die regelmäßig ganze Seiten des redaktionellen Teils fertig übernehmen, haben im Impressum auch den für den übernommenen Teil verantwortlichen Redakteur und den Verleger zu benennen“.

Wie kommt also „Regina Braungart, Redaktionsleitung“ dazu, in Spaichingen Vereinsvertreter mit Versprechungen einzuladen, welche sie gar nicht einhalten kann, es sei denn, der Verlag will sich strafbar machen? Leere Versprechungen! Also doch ein unmoralisches Angebot?  Ganz nebenbei: Was den Spaichinger Vereinen angeboten wird, muss ja wohl auch den Vereinen in anderen Gemeinden recht sein, oder?  Wen aber interessert als Tageszeitung ungefilterter Vereinskram aus Nachbargemeinden? Wirklich, „das gab es bisher nie“!

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