Bärendienst

Kalt, warm, heiß in Renquishausen: Wer sorgt für Aufklärung?

renquisnahwärme

(tutut) – Der Aufsichtsratsvorsitzende heißt Stefan Bär und ist Landrat des Kreises Tuttlingen. Der Geschäftsführer heißt Kurt Teufel. Mal ist’s kälter, mal heißer, aber so richtig warm scheinen sie mit der Nahwärme Renquishausen GmbH nicht zu werden. Denn die gehört mit zu ihren Aufgaben in der Baugenossenschaft Donau-Baar-Heuberg. Bio und Energie, dies sind heute Zauberwörter wie zu Ali Babas Schatzhöhle. Denn da winken Subventionen ohne Ende. Bio-Energiedorf Renquishausen war der Schatz, den nicht nur der damalige Landrat Guido Wolf und die zeitgleiche Umweltministerin Tanja Gönner auf dem Heuberg heben wollten. Was aus ihnen geworden ist? Blowing in den Wind. Manches, was wie  Gold glänzt, entpuppt sich als Katzengold.

Aus dem Schatz Renquishausen ist, so scheint es, ein Schätzelein geworden. Inzwischen haben sich daran offenbar Nutzer und Nutznießer verhoben. Träume werden manchmal zu Albträumen. Schall und Rauchzeichen drangen und dringen  seit ein paar Jahren aus dem Energiedorf. Die Nachrichten aus dieser Energiewende-Metropole sind rarer geworden. Zu kompliziert offenbar für Veröffentlichungen. Drehen und Wenden finden wohl mehr und mehr in Anwaltskanzleien und vor Gericht statt. Einsteiger wollen aussteigen. Handel und Wandel als Geschäftsgrundlage zwischen Kundschaft und Verkäufer geben manchmal den Anschein, als das Bio-Energiedorf ein einziger Basar. Wer was und mit wem, das wäre eigentlich etwas für Bürgermeister und Landrat. Denn auch Bürgernähe und Transparenz haben etwas mit Wärme zu tun. Aber nah sollte sie sein und nicht fern des Begreifbaren.

Der Bürgermeister und seine von den Bürgern gewählten Kontrolleure bräuchten nur etwas Energie aufzuwenden, um eine Wende zu schaffen hin zu nackten Zahlen, damit jeder Zahler in diesem System Nahwärme Renquishausen GmbH (50 Prozent Donau-Baar-Heuberg, 50 Prozent Gemeinde Renquishausen) hinter die Verpackung schauen kann. Allein schon als Landrat täte sich jemand und den Bewohnern des Kreises, von den Renquishausenern nicht zu reden, einen Bärendienst, würde er nicht an Aufklärung interessiert sein, nach Kant ist Auflärung ja der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache nicht am Mangel des Verstandes, sondern am Verzicht auf seine Nutzung liegt. Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen, das ist der Wahlspruch der Aufklärung. Lässt sich  treffender sagen, was Not tut in Renquishausen?

frickrenquishausen

Ein gutes Zeichen, alles im Warmen, wenn wie ein Symbol der Heizungsbauer vor dem Haus des früheren Bürgermeisters Frick steht, unter dem der Weg zum Bio-Energiedorf Renquishausen eingeschlagen worden ist?

Als Aufsichtsratsvorsitzender trifft den Landrat in diesem Fall eine besondere Verantwortung. Oder will er auslöffeln, was andere eingebrockt haben? Es geht um die Wahrheit, um die ganze Wahrheit der Nahwärme Renquishausen GmbH und nicht um Schlüssellochguckerei! Ist’s heiß, ist’s warm, ist’s vielleicht auch ganz kalt, was da oben auf dem Heuberg köchelt? Rathaus, Landratsamt und natürlch die Donau-Baar-Heuberg sind gefordert. Nahwärmeversorgungen, vor allem in kleinen Orten, sind umstritten. Streitereien in Renquishausen sind keine Werbung. Wer will es den Bürgern verübeln, wenn sie genau hinschauen, wenn es ums Geld geht? Dies ist Bürgerpflicht! Für Rathaus und Landratsamt nicht selbstverständlich?

Bauch ist kein Ersatz für Gehirn. Allein die Fakten zählen. Und geht es nicht um Fakten, wenn Nahwärmenutzer in Renquishausen aussteigen? Wenn bis hin zum Gericht über Ausstiegsmodalitäten gestritten werden muss und, wie es scheint, die GmbH und ihr Geschäftsführer dabei nicht unbedingt auf der Siegesstraße zu wandeln scheinen? Und droht nicht auch der Gemeinde selbst, alle Karten auf den Tisch zu legen über ihre eventuellen Verpflichtungen dem System gegenüber, möglicherweise auf Kosten aller Bürger? Geheimnistuerei ist der schlechteste Berater für diese Nahwärme GmbH, wobei  erstaunlich ist, wie  Gemeinde und Wohnungsbau  mit Informationen knausern über ein Werk, welches doch wohl einst von Guido Wolf maßgeblich angeschoben worden ist. Gibt’s was zu verheimlichen?

Gut gemeint ist meist das Gegenteil von gut. Auf diesem Weg droht die Nahwärme Renquishausen zu sein, wenn nicht schleunigst für Aufklärung statt für Gerüchte gesorgt wird. So wird kolportiert, die Biogasanlage werde nicht weiter vergrößert. Dort, wo man es wissen müsste, wird dies offenbar nicht bestätigt. Spricht es für das System, wenn dem Schriftverkehr zwischen Nahwärmekunden und Geschäftsführer Kurt Teufel über Abrechnungen, in den auch noch eine Anwaltskanzlei eingeschaltet werden musste,  entnommen werden kann, dass der Preis zwar heiß, aber offenbar Verhandlungssache ist? Kann es sein, dass dem Imperium egal ist, wieviele Leute mitmachen, es dürften weniger sein als einst angestrebt, und man deshalb sogar mit Kündigungen  reagiert, falls der Kund sich falsch abgerechnet wähnt?

Mit hinein spielt ein Kuddelmuddel um Verträge und Zusatzverträge, da sich ja sehr schnell herausstellte, dass die Nahwärme Renquishausen GmbH sich verkalkuliert hatte mit Subventionen für Anschlüsse und  bei den Energiepreisen. Da mahnt der Geschäftsführer beispielsweise die Bezahlung einer Abrechnung an, welche der Kunde als nicht korrekt bezeichnet. In der Mahnung heißt es: „Sie erhielten im Januar 2015 die Jahresabrechnung mit einer Nachzuzahlung in Höhe von € 896,76. Selbst wenn man der irrigen Meinung ist, dass die Preisanpassung nicht gerechtfertig ist, bleibt eine Nachzahlung in Höhe von € 364,80…Ich fordere Sie auf, mindestens den Betrag in Höhe von € 364,80 bis zum 15. April 2015 zu bezahlen,ansonsten müssen sie mit Konsequenzen rechnen…Falls Sie ihre(r!) Zahlungspflicht nicht nachkommen, sind wir berechtigt, die Lieferung einzustellen…“

Vom betroffenen Kunde werden weder Rechnung noch Mahnung akzeptiert, „da die Berechnungsgrundlage erneut nicht stimmt…Zur nochmaligen Erinnerung (zum wievielten Mal eigentlich?): Ich habe bei keinem meiner Verträge den Zusatzvertrag unterschrieben. Es handelt sich um keine „irrige Meinung“, sondern zeugt nur von Ihrer arroganten Ignoranz, bestehende Tatsachen zu akzeptieren. Warum schicken Sie nur eine Abschlussrechnung? Es bestehen doch 3 Verträge. Ich lege hiermit Widerspruch gegen Ihre Murksmahnung ein, da es laut Gesetz nicht möglich ist, eine Mehnung zusammen mit einer Rechnung zu präsentieren. Ich fordere Sie stattdessen nochmals auf, mir ordnungsgemäße Rechnungen mit den für mich gültigen Berechnungsgrundlagen (9,64 und 7,39 sind falsch!!!!!!) bis spätetens…zu schicken…“

Mit Schreiben vom 30. April („Freundlicher Gruß“) folgt vom Geschäftsführer der Nahwärme Renquishausen GmbH die „Kündigung des  Wärmelieferungsvertrags“ zum  31.Januar 2019, vertragsgemäß zehn Jahre nach Lieferungsbeginn“. Im Auftrag des Kunden wendet sich danach dessen Anwalt an Geschäftsführer Kurt Teufel: „…Mir liegt für alle obigen Abnahmestellen für das Jahr 2014 keine – auf der Grundlage des im Jahre 2008 abgeschlossenen Wäremlieferungsvertrages gültige Abrechnung vor. Wir bitten den in diesem Vertrag festgelegten Arbeitspreis zu beachten! Wir ersuchen Sie, nachdem die Schreiben von …auf keinen fruchtbaren Boden bei Ihnen gefallen sind, für obige drei Abnahmestellen eine dem Vertrag entsprechende Abrechnung an uns vorzulegen und zwar bis zum 20.05.2015.  Ansonsten muss ich die Sache wieder einer gerichtlichen Klärung zufügen“.

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