Politik auf dem Friedhof

Zieht „Pro Spaichingen“ die CDU am Nasenring durchs Dorf?

glockefriedspaich

(tutut). Bevor die schwarz-grüne Fraktion des Spaichinger Gemeinderats vergisst, was der Gemeinderat im November 2013 beschlossen hat, hier der damalige Bericht des als nicht CDU-kritisch verdächtigten Lokalblatts vom 5.November 2013:

Räte beschließen Grabkammersystem
Der vorgeschlagene Bereich außerhalb des Friedhofs stößt nicht auf Gegenliebe
Spaichingen sz Künftig sollen in Spaichingen Menschen auch in Grabkammern bestattet werden. Das hat der Gemeinderat in der Montagssitzung beschlossen. Beim vorgeschlagenen Bereich – direkt an das Gelände der Maschinenfabrik anschließend zwischen KZ-Ehrenmal und bestehendem Friedhof – stieß Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher aber nicht auf Gegenliebe. Denn dies, so empfanden es einige Redner, sei ein „komplett neuer Friedhof“ und füge sich nicht harmonisch an den bestehenden an…

Mal abgesehen davon, dass auch in Spaichingen Tote bestattet werden, welche juristisch als Sache gelten, und nicht Menschen, ist damals ein Grundsatzbeschluss beschlossen worden für ein Grabkammersystem. An diesem Fakt ändern auch keine Versuche juristischer Haarspaltereien, wie sie jetzt offenbar in einer CDU-Fraktkon von nur noch fünf Sitzen, darunter aber zwei Juristen, Mode geworden zu sein scheint.

Fast ein Jahr danach muss die Öffentlichkeit den Eindruck haben, dass jetzt die CDU mit ihrem Kreisvorsitzenden an der Spitze von der neuen Fraktion „Pro Spaichingen“, angeführt von einem CDU-Kreisrat, sozusagen am Nasenring durchs Dorf gezogen wird. Ist dieser bisher mit mehr aufgefallen als durch eine großsprecherische öffentliche Ankündigung 10 000 Euro-Spende an die Stadt, von der bis heute nichts zu sehen ist, was ja wohl nicht für Glaubwürdigkeit spricht?

Da dieser CDU-Kreisrat aus dem schwarzen Fraktionsblock, unterstützt von der Fraktion der Grünen, welche offenbar außer einer Anti-Bürgermeister-Front jegliche politische Ambitionen aufgegeben haben, mit dem bis heute wenig erprobten Mittel der Grabhüllen gegen Wachsleichen Propaganda macht, kippte Schwarz-Grün nun den Beschluss von 2013 für ein Grabkammersystem, obwohl seinerzeit auch die CDU dafür gewesen war.

Eine Alternative wurde nicht beantragt, so dass der Stadt demnächst die Grabplätze ausgehen werden. An diesen Fakten ändert auch nicht juristisches Geplänkel aus der CDU-Ecke. Da geht es um die Macht und nicht um die Sache. Dass für das Grabkammersystem aufgegraben werden muss, wo noch nicht beerdigt worden, dafür aber mit Wachsleichen zu rechnen ist, dürfte jedem Laien einleuchten, möglicherweise aber nicht Juristen. Wer Pietät ins Feld führen möchte und Umgebung meint, muss sich einen anderen Friedhof suchen. Denn der Spaichinger liegt mittendrin im heutigen Leben: umrandet von Straßen- und Schienenlärm und dem noch zweitgrößten Betrieb in der Stadt. Was auch mit einer Gemeinderatsmehrheit zu tun hat, zu der auch noch die SPD gehörte.

Vielleicht setzt der Gemeinderat ja eine Bürgerbefragung an: Wie haltet’s Ihr mit der Zeit nach dem Tod? Spaichinger, wollt Ihr ewig dauern oder verwesen? Konsequent ist nur der Tod. Der fragt nicht nach dem Spaichinger Gemeinderat und dessen Politik auf dem Friedhof.

Folgten die Spaichinger aber dem Landestrend, könnte sich der Gemeinderat verhüllt in Grabkammern verkrümeln. Denn wie die Südwest Presse berichtet, sind  Verbrennungen jetzt die häufigste Bestattungsart im Land.  Das Verhältnis sei etwa 50 zu 50, aber mit einem leichten Vorsprung für das Verbrennen der Toten und eine anschließende Urnenbestattung, wie Christian Streidt, der Landesinnungsmeister der Bestatter, am Donnerstag in Ulm mitteilte. „Das ist eine grundsätzliche Änderung in der Bestattungskultur“, sagte Streidt, der zugleich Präsident des Bundesverbands Deutscher Bestatter ist. Die Ursachen sieht er zum einen in den höheren Kosten für klassische Gräber, zum anderen sei ein Urnengrab pflegeleichter.

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