Wo ist Ludwig Erhard?

Ein Häuflein Widerstand in der CDU weckt  Erinnerung an den großen Liberalen

(tutut). Es ist ein kleines Häuflein, welches da in der CDU offenbar auf der Strecke geblieben ist und plötzlich nicht mehr Merkels Marsch in den Sozialismus weiter mitmachen will. Vor der Bundestagswahl gehörten sie wohl zu den schweigenden Lämmern. Jetzt, da der Krug mit den Pöstchen folgenlos an ihnen vorüber getragen worden ist, entdecken sie ihre Besinnung. Was mag wohl Volker Kauder dazu sagen oder einer, der CDU-Ministerpräsident werden will im Ländle?  Dürfen sie schon eine Meinung haben?

Dennoch haben die Aufständischen in der CDU natürlich recht, wenn sie Reforen verlangen in diesem Land und mehr Freiheit fordern und den Menschen weniger wegnehmen wollen von ihrem verdienten Geld.

Damit besinnen sich zwei Dutzend CDU’ler auf einen großen Liberalen in ihren eigenen Reihen. Auf Ludwig Erhard. Wirtschaftsminister,Kanzler,Vorsitzender und erstmals CDU-Mitglied (1966), Ehrenvorsitzender.

Der Vater des Wirtschaftswunders, Erfinder der sozialen Marktwirtschaft, hat das Wesen der Marktwirtschaft damit erklärt, dass der Wirtschaftsprozess, das heißt Produktion, Güter-und Einkommensverteilung nicht durch obrigkeitlichen Zwang gelenkt, sondern innerhalb eines wirtschaftspolitisch gesetzten Ordnungsrahmens durch die Funktion freier preise und den Motor eines freien Leistungswettbewerbs selbständig gesteuert wird. „Freiheit, Selbstverantwortung und persönliche Initiative bei der Berufswahl, Erwerbstätigkeit und dem Konsum ,die jedem als Produzenten und als Verbraucher die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Chancen eröffnen, sowie eine leistungsbedingte Einkommensverteilung sind die Antriebskräfte, die in der Marktwirtschaft zu einem Höchstmaß an Produktion und einer Steigerung des Wohlstands der gesamten Bevölkerung führen“, hat er 1965 erklärt.

Auch zur Entwicklung in Europa hat Ludwig Erhard eine klare Meinung gehabt. Er war gegen einen europäischen Superstaat, wie ihn offenbar der heutige Finanzminister u.a. anstrebt. Ludwig Erhard schon 1950: „Es bedeutet nicht einen Verzicht auf staatliche Souveränität, wenn sich die Völker Europas – oder besser gesagt die Gewerbetreibenden aller europäischen Länder – zu einem möglichst freien Güteraustausch auf einem umfassenderen europäischen Markt bekennen, sondern es bedeutet nach meiner Überzeugung gerade umgekehrt einen Missbrauch der staatlichen Macht, wenn diese die Staatsbürger an der freien Entfaltung ihrer Kräfte und Fähigkeiten hindern will. Gerade eine marktwirtschaftliche Wettbewerbsordnung sichert den Fortbestand und die Selbständigkeit der Volkswirtschaften. Ein auf solcher Weise förderativ aufgebautes und gegliedertes Europa verhindert im Gegensatz zu einer planwirtschaftlichen Ordnung de Setzung eines zentralistischen Überstaates“.

Ludwig Erhard hat als das für Europa Typische die Mannigfaltigkeit,die Buntheit, die Differenziertheit des Lebens herausgestellt. Als falsch sah beispielsweise Vorstellungen an, dass fortschreitend einzelne Sachbereiche der nationalen Souveränität entzogen und supranationaler Verwaltung übergeben werden müsste, weil dies einer wirtschaftstheoretischen Durcheuchtung nicht standhalten würde. Erhard war ein klarer Anhänger eines Europas der Nationen. Dabei wies er auf das Beispiel der Schweiz für eine zukünftige Struktur Europas hin. Es scheint, über Ludwig Erhard wird heute so wenig gesprochen, denn sonst würde die heutige Generation,welche nicht mit ihm aufgewachsen ist, merken, das er davor warnte, dass ein Versorgungsstaat, wo jeder die Hand in der Tasche des anderen habe, zur Selbstzerstörung führen müsse.

Ludwig Erhard: „Das war noch immer die geschichtliche Tragik der Deutschen, dass sie ihre höchsten Tugenden in der Not entfalteten, sich aber den Stunden des Glücks nicht gewachsen zeigten“.

Die neuen Umdenker in der CDU müssten die Alarmglocken Sturm läuten angesichts des Satzes von Ludwig Erhard aus dem Jahre 1960 vor der Handwerkskammer in Köln: „Glauben Sie, der Staat könne mehr leisten, als er vorher dem Volke abgenommen hat? Wir sind mit einem Anteil der öffentlichen Hand von 40 Prozent am Sozialprodukt schon fast das Land , das in der nichtkommunistischen Welt an der Spitze liegt. Je mehr gefordert wird, desto mehr muss der Staat Ihnen abverlangen, und dann werden diese 40 Prozent auf 45 und auf 50 Prozent gesteigert werden. Glauben Sie weiter, dass dann noch eine freiheitliche Ordnung denkbar ist, dass unser Volk dann noch aus Menschen besteht,die in geistiger und materieller Unabhängigkeit echte Staatsbürger im demokratischen Sinne bleiben können?“  Wenn der wüsste, dass die Staatsquote heute mit Steuern und Abgaben bei rund 70 Prozent liegt…Wo ist Ludwig Erhard? Erinnerung tut Not!

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