Politik als Jux und Dollerei?

Im Kreis Tut muss sich der Wähler mit Grausen abwenden

Nicht nur im Emmingen-Liptingen, überall werden gerade Schellenbäume aufgerichtet und erklettert.

(tutut). Da wendet sich der Wähler mit Grausen ab. Was Parteien und Gruppen vor der Kommunalwahl im Kreis Tuttlingen vollführen, ist so dümmlich, dass das Ganze wie ein Plädoyer für die Abschaffung der Demokratie aussieht. Wenn, ja wenn, jemand der für dieses Chaos Verantwortlichen auf die Idee käme, dieses Tun als demokratisches Handeln auszugeben. Hier wird schlicht die Halbinsel Krim auf Tuttlingerisch gespielt. Nur ist weit und breit kein Putin in Sicht, immerhin von einem deutschen Kanzler als lupenreiner Demokrat bezeichnet, der dem Spuk ein Ende setzt,ebenso einer gespenstischen Begleitung im  Lokalblatt, das auf gutem Wege ist, sich selbst schnellstens abzuschaffen.

Da werden Listen aufgestellt und gemeldet, und einen Tag später  gebiert eine Liste eine neue Liste, und der Listenführer hält das wohl für normal. Da werden Kandidaten verhindert, nicht wie einst durch Straßenschlachten, sondern durch Lügen und Drohungen bis hin zu Erpressungen in Hinterzimmern oder Sälen. Ob Liberale („Hat sich die Trossinger Burgbacher-Alt-FDP schon in Spaichingen entschuldigt für die laut Zeitungsbericht aberwitzige falsche Behauptung, es gäbe einen FDP-Beschluss, keine Bürgermeister für den Kreistag auzustellen.“?), Christen, Antichristen, Freie und Unfreie, vereinen sich viele von ihnen nun in einem Pool der Geistlosen, nur darauf aus, dem Wähler ein Schmierenstück aufzuführen, von dem er wohl glauben soll, ihm täte das aus Tut gut? Das Lokalblatt trommelt Begleitung und scheint jedem primitiven Pamphlet Konkurrenz machen zu wollen mit einzigem Ziel: Der Spaichinger Bürgermeister muss weg! Wenn das nicht reaktionär ist, was dann?

Deshalb wird kurz mal die Masche gestrickt, niemand brauche einen Bürgermeister, falls er aus Spaichingen kommt, Dorfschultes ausgenommen, fühlet sich zu Höherem berufen, auch wenn sie hinter ihren Kirchtürmen auch noch Jahrzehnten noch niemand entdeckt hat. Während also ein Spaichinger Bürgermeister außen vor bleiben soll, Spaichinger Interessen im Kreistag zu vertreten, findet es das Blatt normal, wenn ein frischgebackener Bürgermeister aus Aldingen dort hinein wolle, obwohl der noch gar keine Chance hatte, irgendwelche politischen Fähigkeiten zu entwickeln? Die im Blatt als Stimmungsmacher vom Format unsichtbarer Riesenhasen vorgeführten Dörfler und ihr Abklatsch von antispaichinger Interessenvertretern als Politstümper dürfen dann auch noch zusammen mit dem Blatt, welches sich dem Thema Kreispolitik nur unterirdisch zu nähern fähig scheint, Politikverständnis auf Baumschulniveau absondern. Meinen da welche, zwei halbe Dorfschultes machen einen ganzen Spaichinger Bürgermeister wie manche anzunehmen scheinen, zehn schlechte Artikel machen einen guten? Da wichtige Verwaltungsarbeit für das Umland bis auf Aldingen im Spaichinger Rathaus stattfindet, sind da doch wohl nur halbe Portionen auf Krötenwanderung, die sich wie Ochsenfrösche aufblasen?

Es scheinen einige sogenannte Kreispolitiker nicht mitbekommen haben, dass es gar keine Klinik in Spaichingen mehr gibt, sondern nur ein Ärztehaus. Und eine Kreisberufsschule in Spaichingen hat wohl mehr als nur einen dauerhaften Dachschaden.  Die ganze politische Botschaft aus dem Kreis Tuttlingen kann nur einen Zweck haben: Bürgermeister, Gemeinderäte, Kreisräte abschaffen oder besser noch gleich den ganzen Kreis Tut. Bei der Verwaltungsreform ist er einfach übersehen und vergessen worden.

Aber selbst diesem Minikreis ist es bis heute nicht gelungen, so etwas wie ein Kreisbewusstsein zu entwickeln. Überall ragen politische Schreckschrauben und Nervensägen heraus, die nur ein Ziel zu haben scheinen: dem Wähler das Gruseln beizubringen. Das ist ihnen vor dem 25. Mai prima gelungen! Ein Schrecken ohne Ende für Demokratie und Grundgesetz. Laut Definition ist der Kreistag die Vertretung der Einwohner und das Hauptorgan des Landkreises. Der Hinweis, dass die Vertreter der Einwohner von Spaichingen vom Lokalblatt und Dorfbürgermeistern bestimmt werden oder irgendwelchen selbsternannten Möchtegerns, die etwas gegen demokratische Wahlen haben, ist allerdings nirgendwo zu entdecken.

Falls es noch niemand weiß und jetzt nach Veröffentlichungen à la Kleinlieschen noch weniger wissen: Im Kreistag wird Politik gemacht. Wer sich vielleicht als Mistgabel einer bestimmten Politikrichtung verpflichtet sieht, wird sicherlich in erster Linie möglichst viel Mist verbreiten wollen. Oder? Politik als Jux und Dollerei?

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