Sonntag, Leute!

Oh, du schönes Mittelalter!
„…Da es kaum geregelte Müllabfuhren gab, waren Schmutz und Abfall eines der dringendsten Probleme, und das nicht nur in Großstädten. Im 15.Jahrhundert beschwerte sich Kaiser Friedrich III., dass bei einem Besuch im schwäbischen Tuttlingen sein Pferd im Straßenkot steckenblieb. Seit der Antike waren alle Aufforderungen der Obrigkeit, die Nachttöpfe nicht aus den Fenstern zu entleeren, vergeblich verhallt. Und das trotz drakonischer Strafen. Ferdinand I. von Aragonien ordnete an, „dass jene, welche bei Tag oder Nacht Unrat, Mist, Schutt usw. an anderen als den bezeichneten Orten ablagern, ergriffen und in die Galeere geschickt oder durch die ganze Stadt gepeitscht werden sollten“. Trotzdem landeten Müll und Unrat fast überall unkontrolliert in den Gassen oder wurden in die Flüsse gekippt, die gleichzeitig die Trinkwasserleitungen speisten. Zusätzlich vergifteten Gerbereien die Gewässer.Und papiermühlen leiteten eine üble Bakterienbrühe ein, die entstand, wenn sie verseuchte Lumpen aus Siechenhäusern zermahlten“.
(Aus „Öko-Optimismus“ von Dirk Maxeiner und Michael Miersch. Mittelalterliche Verhaltensweisen haben bis heute überlebt, Schmutzfinken sterben nicht aus, und selbst im Spaichinger Gemeinderat scheinen anarchische Neigungen bei einzelnen Mitgliedern auf Sympathie zu stoßen, und überall im Lande wird das schöne Mittelalter als nostalgisches Fest begangen, so, als wäre es ungeschichtlich.)

 

 

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