Sonntag, Leute!

(tutut). Manche hören schon die Engel singen, wenn auf dem Dreifaltigkeitsberg ein Schülerchor Weltklasse probt. Andere halten Voträge und schreiben schlaue Bücher über ihre Begegnungen der dritten Art. Und einzelne Zeitgenossen haben tatsächlich den Rat eines früheren Kanzlers beherzigt und sind zum Arzt gegangen, wenn ihnen in Visionen jene geflügelte Wesen erschienen sind, von denen Tatsachenberichte der drei Buchreligionen künden.  Aber auch die Buddhisten und Hinduisten kennen Engel wie die Anhänger Zarasthustras. Selbst in der DDR gab es Engel: als geflügelte Jahresendfigur. Wenn in den USA  Regierungsmitglieder an Fälschungen über Massenvernichtungswaffen im Nahen Ostebn glauben, ist es logisch, dass 70 Prozent der Amerikaner auch an Engel glauben. 50 Prozent von ihnen vertrauen sogar ihren eigenem Schutzengel. Von diesen Wegbegleitern wird gesagt, sie würden katholischen Kindern über die Straße helfen, während muslimische Engel in den Moscheen Gebete zählen, wegen der späteren Inventur.  Ob alle Katholiken wisen, dass sie an Engel glauben müssen? 1215 sind unsichtbare Geistwesen zum Dogma erhoben worden, 1870 vom ersten Vatikanischen Konzil bestätigt, später hat Papst Pius XII. erklärt, dass Engel persönliche Wesen seien. Wie persönlich sie sind, darüber berichtet auch die Bibel. Nämlich  da ist die Rede von gefallenen Engeln. Deren Sünde war ganz profan, sie paarten sich mit Menschen, kurz vor der Sintflut. Waren sie dazu überhaupt fähig? Die lieblichen barocken Putten täuschen ein wenig darüber hinweg, denn Engel sind keine geschlechtslosen Wesen, auch wenn der Pinsel des Malers oder der Meißel des Bildhauers darüber meist das Tuch des Verdeckens zieht. Was wirklich Sache ist mit den Engeln, darüber lässt beispielsweise der Künstler im 16. Jahrhundert beim Ausmalen der Magdalenenkapelle des Klosters Rheinau bei Schaffhausen keine Zweifel aufkommen. Muntere Mädchen und Buben machen hüllenlos ihre Flugversuche an Decke und Wänden. Heute ist die himmlische Luftfahrt eine Wissenschaft für sich. Im 16.Jahrhundert wurde die Zahl der Engel mit exakt 399 920 004 angegeben. Deshalb der Rat: Fragen Sie nicht ihren Arzt oder Apotheker, sondern den Pfarrer oder gucken sich mal in der Magdalenenkapelle um. Diese wird gerne für Hochzeiten gebucht.

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