Am Anfang war das Dach

Leistet sich Spaichingen ein Klo für 300 000 Euro?

Viel Platz ist unter dem freifliegenden Dach auf dem Spaichinger Marktplatz. Nun soll überlegt werden, wozu es nutzen könnte. Wird ein Klo für 300 000 Euro das Rennen machen? Oder gibt’s vielleicht billigere Lösungen?  Wie wär’s mit einem Wettbewerb des Stadtmarketings?

(tutut). Viele Spaichiinger mögen über das Dach rätseln, welches auf zehn hohen Säulen auf dem Marktplatz ruht. Nun scheint dieses Rätsel auch bei den Urhebern angekommen zu sein. Bei jener Gemeinderatsmehrheit, die das Dach wollte, ohne an eventuellen Schaden zu denken. Wer den hat in diesem Fall, braucht für den Spott nicht mehr zu sorgen. Ist das, was sich Stadtloggia nennt, vielleicht ein Fall für das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes, wie sich FDP-Stadtrat Grimm sorgte: „Bekommen wir für fast 300 000 Euro eine öffentliche Toilette?“ FWV-Stadtrat Staudenmayer assistierte: „Dafür bekommen andere ein Einfamilienhaus“.

Dass die Kosten für dieses Bauwerk, auch als Spaichinger Akropolis bekannt, irgendwie „aus dem Ruder gelaufen“ sind, wie Grimm feststellte, bestätigte auch der Abgesandte Welz von der Planungsgruppe Welz-Lorenz-Jetter: „Verkalkuliert“. Denn die geplanten Kosten von 550 000 Euro, Dach 360 000, öffentliches WC/Technikgebäude 190 000 Euro) reichen nicht. Das Dach wird voraussichtlich um 23 000 Euro teurer. Ursache sind eine vergrößerte feste Bodenplatte für – ein Café. Problem für den Gemeinderat allerdings ist, dass eigentlich gar kein Café vorgesehen ist. Denn es gibt hierfür weder Käufer noch Pächter. Bleiben also Klo und Technikgebäude. Hier hat das Büro nun Mehrkosten von 98 278 Euro gegenüber der Schätzung berechnet, so dass die Gesamtkosten 288 278 Euro betragen werden.

Auch wenn es sich um ein fliegendes Dach handelt, ist es dennoch kein fliegender Teppich, mit dem sich der Gemeinderat wohl am liebsten  davonmachen würde. Am Anfang war das Dach, nun droht dem Stadtparlament, auf dasselbe eins zu kriegen. ,Die Diskussion um Rettungsversuche, kleinere Toilette oder gar keine?, Technikgebäude ja oder nein?, doch ein Café?, drehte sich im Kreis, denn wie SPD-Stadtrat erinnerte, hat der Gemeinderat bestellt, was ihm gerade geliefert wird. Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher machte seinen Standpunkt klar:  Auf städtische Kosten soll kein Café gebaut werden, auch ein WC habe er in Frage gestellt.  Falls der Gemeinderat von erteilten Aufträgen nun zurücktreten möchte, bräuchte er stichhaltige Aufhebungsgründe. Außerdem gebe es ja auch Zuschüsse. Insgesamt gehe es um 7 Millionen Euro für die Neugestaltung der Ortsmitte, „und da unterhalten wir uns über Toiletten“? (Schuhmacher). Unterhalten über das, was da auf dem Marktplatz angerichtet worden ist, wird sich der Gemeinderat auf Vorschlag von CDU-Stadtrat May demnächst noch einmal. Vielleicht wohl doch besser, weil traditionell, wenn beim Hausbau nicht mit dem Dach begonnen wird? Sollen schon die Schildbürger entdeckt haben.

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