Spaichingen vor dem Sprung

Fotos von 1967 dokumentieren das einstige Straßendorf

So sah der Bereich des heutigen Marktplatzes aus: Apotheke, Schlauchturm der Feuerwehr.

(tutut). Nicht von ungefähr ist jetzt in Spaichingen endlich die Diskussion über das Bild entstanden, welches die Stadt Bewohnern und Besuchern künftig bieten will. Dies hat nichts mit einem Kampf zwischen den Bau-Dynastien Guldenburg und Jungstadt zu tun oder mit dem vom Lokalblatt herbei geschriebenen Drama „Tobias und der Bürgermeister“, das als Schwank in zahllos fortgesetzten Akten krampfhaft versucht wird, Lesern aufzutischen.

Das „denkmalgeschützte“ Rathaus, sein Abriss ist die größte Sünde der Vergangenheit, dahinter die Sparkasse.

Eine Stadt, die Marketing für sich entdeckt, ihre City professionell managen lassen will, muss drauf achten, was sie im Schaufenster auslegt. Äußerlichkeiten sind keine Nebensache. Wenn die Spaichinger meinen, das Gesetz des Baudschungels ist nicht vorteilhaft für ihre Hauptstraße, dann müssen sie ein bisschen Ordnung in ihre Stube bringen. Dach oder Nichtdach ist zweifellos die wichtigste Frage.

Das einstge Oberamtsgebäude, heute Polizeirevier,  mit der anschließenden Tankstelle des HotelsOsswald (oben), darunter der links sich anschließende Hotelbereich, dieses Foto stammt nicht aus der Serie 1967.

Ein Gemeinderat, der Jahrzehnte auf Ausflügen auswärts schöne Städte bewundert hat, muss sich die Frage stelen, ob das Schöne nicht auch mal nahe liegen kann. Für ihr Aussehen und auch ihr Ansehen  ist eine Stadt in erster Linie selbst verantwortlich, auch wenn Herkunft und Geburt eine Rolle spielen.

Erwin Teufel hat seinerzeit als Bürgermeister den überall im Land . bevorzugten Sprung in die Betonmoderne gewagt. Sein Bruder hat ihn plangemäß vollendet unter der Direktive, eine Stadt hat zu haben, was eine Stadt zu haben hat. Nach der Zeit des Reichsnotstandsgebiets konnte sich Spaichingen endlich wieder ein bisschen was  leisten.

Stadtansicht in Richtung Südwesten.

Dass das dabei entstandene Stadtpuzzle an vielen Stellen nicht richtig zusammenpasst, ist eine Frage, die jetzt auf der Tagesordnung steht. Ja oder Nein zu einem Bebauungsplan für die Hauptstraße kann nur ein Anfang sein. Wie Spaichingen in Zukunft aussieht, das hat der Gemeinderat als Vertretung der Bürger in der Hand. Die Bürger sollten nicht passiv zuschauen, sondern an ihrer Stadt Zukunft mitbauen. Der billigste Weg für Bauherren und -damen muss für die Stadt nicht der beste und schon gar nicht der schönste sein.

Was die jüngst nach einer Veranstaltung des Heimatvereins als kurioser Fund beschriebene Serie von Fotos der Spaichinger Hauptstraße (B 14) aus dem Jahr 1967 betrifft, von denen hier ein paar zu sehen sind von einem Spaichingen sozusagen vor dem Sprung, so gibt es aus dem 19. Jahrhundert bessere  Aufnahmen in der Geschichte der Fotografie. Als alte Dokumentation der Straße sind sie nur bedingt geeignet, da die meisten Häuser mangels Weitwinkel  nur teilweise zu sehen sind. Erinnerungswert haben sie zweifellos, denn das alte Spaichingen ist gerade nicht durch Fotodokumente umfassend dargestellt. Es fehlte stets am Fotogenen, wenngleich die einzige alte städtische Partie der Stadt, die Bahnhofstraße aus der Gründerzeit, heute besondere Aufmerksamkeit zukünftiger Stadtentwicklung verdient hätte.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.