Fauler Zauber

Statt mehr gibt’s immer weniger Gäubahn

Zauberer ziehen über Land und beschwören das Wunder der Gäubahn. Das Volk aber wundert sich, denn mitsamt seinem Zug landet es auf einem Abstellgleis.

(tutut). Die Binse kennt die Wahrheit längst. Denn sie wächst rechts und links der Bahndämme. Nun konnte auch der ansonsten auf Schunkeln und Schenkelklatschen spezialisierte Staatsrundfunk nicht länger an sich halten und verkündete, weshalb sich der Tuttlinger Landrat Stefan Bär grämt: Statt mehr gibt’s immer weniger Gäubahn. Ein Zug am Samstagabend und einer am Sonntagabend sollen gestrichen werden. Wie der ebenfalls vom Sender zitierte Nahverkehrsberater Ulrich Grosse hält auch der Landrat dieses Signal für falsch und kontraproduktiv.

Denn auf der einen Seite gibt es seit Jahren zahlreiche Bemühungen, die Gäubahn wieder auf zwei Gleise zu stellen, manche Zauberer ziehen über Land und beschwören das Wunder der Gäubahn, während das Volk stattdessen mit seinem Zügle auf einem immer längeren Abstellgleis landet, gleichzeitig aber sorgt die Bahn mit ihrer Politik der Verunschönerung, dass die Gäubahn immer weniger attraktiv wird, dabei auch noch von einem u.a. von Tuttlingen ausgehenden Ringzugsystem als Hilfsbremser unterstüzt wird. Die Bahn hat de Statistik auf ihrer Seite, denn es ist logisch, das langsamere und schlechtere Zugverbindungen abnehmede Fahrgastzahlen bedeuten. Dass es auch anders geht, zeige die Schweiz, so Grosse laut SWR. Wer aber im großen Kanton schaut schon mal herunter auf die kleinen Kantone?

Der VCD (Verkehrsclub Deutschland) kritisiert, dass die jetzt bekannt gewordenen Fahrpläne für die Gäubahn Reisende und Berufspendler, die nach 17 Uhr in Richtung Singen fahren müssen, vor er­heb­liche Probleme stellten. Fahren heute noch täglich sieben Fern­zug­paare zwischen Stuttgart und Zürich, so würden diese im Herbst auf nur noch fünf Zugpaare reduziert. Verbindungen sollen zwar nur im Zeitraum vom 8. Oktober bis 18. November während der Strecken­sperrung zwi­schen Singen und Tuttlingen wegfallen, der VCD befürchte aber, dass auch nach Ab­schluss der Bauarbeiten der tägliche Zwei-Stunden-Takt ausgedünnt werden könnte, da solche Überlegungen von der Deutschen Bahn auf der europäischen Fahr­plan­konferenz angekündigt worden seien.

In der vergangenen Jahren, so erinnert der VCD, seien Fortschritte biem Um- und Ausbau der Gäubahn nur in der Schweiz erzielt worden. Im Vertrag von Lugano von 1996 hätten die Schweiz und die Bundes­republik Deutschland den Streckenausbau und den Einsatz von Neige­technik-Zügen mit dem Ziel einer Fahrzeit von zwei Stunden und 15 Minuten zwischen Stuttgart und Zürich vereinbart. Im Dezember gehe nun in der Schweiz der Streckenausbau mit einer Fahr­zeit­verkürzung in Betrieb.

Doch aufgrund des fehlenden Ausbaus auf deutscher Seite ver­bummelten die Züge die Fahrzeit in Deutschland, so dass die Fahrzeit jetzt wieder rund drei Stunden dauere. Damit liege die Reisezeit auf dieser Strecke 45 Minuten über der 1996 vereinbarten Dauer, ohne dass absehbar wäre, wie dieses Ziel jemals erreicht werden könne, beklagt der VCD. Denn auch der Einsatz der Neige­technik auf der Gäubahn sei nach dem Abzug der ICE-Züge völlig unklar. Der Bund als für den Ausbau der Schieneninfrastruktur Ver­antwortlicher stelle kein Geld für den Ausbau bereit. Dabei könnten vergleichs­weise wenige Mittel die Fahr­zeit verkürzen: Mit zweigleisigen Abschnitten könnten sich Züge während der Fahrt begegnen, anstatt wie heute im Bahnhof auf­einan­der zu warten. Dafür gäbe es zwar Pläne, aber nach wie vor kein Geld.

Eigentlich müsste die Gäubahn ja Sauschwänzlebahn heißen, denn was sich da seit Jahren ringelt und kringelt, auch unter den Gernegroßen ländlicher Politik, das passt auf keine Kuhhaut mehr.   Alle paar Tage wird eine neue Sau auf die Schienen gesetzt. Eine Gänseblümchen wird entblättert: Sie wird zweigeleisig, nur eineinhalbgleisig, sie kommt/kommt nicht  geneigt,  sie wird schneller langsamer oder gar langsam schneller. Ja, wenn sie kommt, dann kommt sie halt. Das Schnellste sind die Gutachten. Die haben ihre Anhänger. Unter den Zauberern.

Etwas aber hat die Gäubahn, was Stuttgart nicht mehr hat: einen Verschiebebahnhof. Letzter Stand, aber sicher nicht der allerletzte: Die Bahn plante zu Beginn des Jahres 2011 die Realisierung der Interruptuszweigleisigkeit für 2013 und 2014, schon im Mai 2011 wurde der Baubeginn auf 2014 verschoben. Mitte 2011 war die Rede davon, dass der Ausbau erst 2016 beginnen und 2018 abgeschlossen sein soll. Fauler Zauber hat weiterhin Hochkonjunktur.

 

 

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