Über 1200 in der überfüllten Stadthalle

Spaichinger Bürgermeisterwahlkampf sehr emotionalisiert

Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher (rechts) und der Herausforderer Tobias Schumacher (links). Beide von der CDU, der Ältere von der jungen, neuen CDU, der Jüngere von der alten.

(tutut). Der junge Kandidat hat ein großes Problem, das viele Spaichinger offensichtlich aber noch nicht erkannt haben. Da tritt Tobias Schumacher (33) gegen Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher (52) an, als sei er in der Kommunalpolitik völlig neu, setzt umgekehrt aber auf die emotionale Karte: Geburtsort, Heimat, Herzensangelegenheit. Ich liebe Euch doch alle, scheint er sagen zu wollen, ich bin Spaichingen. Friede, Freude, Eierkuchen sollen wieder herrschen wie einst, als die CDU Jahrzehnte sagen konnte, wo’s langgeht und zum Teil dies ohne Zweifel auch wusste und konnte. Tobias Schumacher verkörpert die alte CDU, weiß abgetretene und zum Teil erbitterte Parteiveteranen hinter sich, strebt Restauration an, versucht dies auch zu untermalen, indem er in allen seinen Auftritten und nun vor über 1200 Neugierigen und Sympathisanten aus beiden Lagern in der überfüllten Stadthalle den Amtsinhaber direkt und indirekt attackiert. Dieser führt dagegen im Verlauf der offiziellen Bewerbervorstellung bilanzierend ins Feld, was normalerweise einen Amtsbonus ausmacht. Er verkörpert eher, so paradox es klingen mag, die junge, neue CDU.

Das Problem von Tobias Schumacher ist, er tut so, als hätte er mit der bisherigen Kommunalpolitik in Spaichingen nichts zu tun. Fast acht Jahre ist er im Gemeinderat, Vorsitzender der größten Fraktion, welche seit 2009 zwar die absolute Mehrheit verloren hat, auf diese aber dank ihrer Blockflöten von Grün-Rot dennoch rechnen könnte, wenn ungeschickter Weise gerade Tobias Schumacher diese oft nicht verspielen würde.
Politische Entscheidungen in einer Kommune sind Beschlüsse des Gemeinderats. Da kommt es auf die Mehrheit an. Ein Bürgermeister regiert nicht als Diktator im Rathaus.

Was Tobias Schumacher immer wieder anprangert, von den Schulden bis zu den Knöllchen, sind mit seine Entscheidungen.Wenn er seine schöne neue Spaichinger Welt malt, muss er sich fragen lassen, warum er bisher nicht zu Pinsel und Farbe gegriffen hat. Es hätte ihn niemand daran hindern können.

Deshalb wirken seine Angriffe gegen den Bürgermeister abgeschmackt und billig. Immer wieder redet er von der Marke Spaichingen, die er einführen möchte. Jeder müsste dabei merken, dass es sich um ein Plagiat handelt. Original Tobias Schumacher ist so gut wie nichts, was er in Schlagworten als Programm vor sich herträgt. Sein „neues Miteinander“ ist so abgedroschen, dass es Google 16,1 Millionen Mal (!) anzeigt! Nicht viel besser sieht es mit seiner „Bildungsstadt“ (271 000 Mal bei Google) aus, mit „Arbeits- und Einkaufsstadt“ (33 700), „Regionalstadt“ (64 300), „Wohlfühlstadt“ (58 300), Bürgerstadt (656 00). Er setzt sich also ein für altbekannte Massenware aus der Phrasendreschmaschine.

Tobias Schumacher hat sich bisher nicht von mutmaßlichen kriminellen Machenschaften von Unterstützern distanziert, nachdem die Neue Bürger-Zeitung ihn damit konfrontiert hat. In der Stadthalle ablehnend auf das Pamphlet von Stadtrat Hermann Polzer (Grüne) angesprochen, distanzierte er sich auch davon nicht. Ein Freund sei dieser ja. Tobias Schumacher verstieg sich in diesem Zusammenhang sogar dazu, eine Parallele zu den zum Teil mörderischen Auseinandersetzungen in Nordafrika zu ziehen. „Schlammschlacht“ nannte eine Zuhörerin den Wahlkampf, den Tobias Schumacher als fair versprochen hätte.

Der Bürgermeister versuchte Sachthemen der Kommunalpolitik der letzten acht Jahre in den Vordergrund zu stellen. Was emotional Wellen oder Wogen schlägt, und sei es auch im Wasserglas, erklärte er dem Saal aus der jeweiligen Situation heraus und im Zusammenhang mit Gesetzes- oder Beschlusslage, für die jeweils der Gemeinderat Verantwortung trage. Was Tobias Schumacher im Grunde wider besseren Wissens emotionalisiert, beispielsweise angebliche Gräben zwischen Spaichingen und den Umlandgemeinden wegen des Bürgermeisters, kontert dieser mit dem Hinweis auf die Interessen Spaichingens, das eine gerechtere Verteilung der Verwaltungskosten wolle.

Dass sich dann noch ein mehrmals in der Vergangenheit gescheiterter Gemeinderatskandidat empörend aufschwang, um für das Grüselhorn/Neue Bürger-Zeitung Reklame zu machen, dafür gebührt ihm Dank. Niemand muss es lesen, es kostet nichts, im Gegensatz zu einer sogenannten Lokalzeitung, wo zwar nichts Nennenswertes drinsteht, aber dafür kostet dies eine Menge Geld. Von Presse- und Meinungsfreiheit scheinen manche Spaichinger schon zu lange entwöhnt worden zu sein. Die halten Propaganda wohl für Information und können natürlich auch nicht wissen, ob und vor welchen Nachrichten sie „verschont“ werden, häufig schlicht durch Zensur aus Parteilichkeit und infolge einseitiger Tendenz.

 

Ein Gedanke zu “Über 1200 in der überfüllten Stadthalle

  1. wen man hier schon jede kleinigkeit, die geschrieben wird in mehr oder weniger geeigneter weise meint kommentieren zu müssen, sollte man den amtierenden bürgermeister nicht älter machen, als er ist. er ist jahrgang 1962 und damit nicht 52 jahre alt, sondern wird dieses jahr erst 50.